Finnland
  Ein Finnischer Tag
 
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Dies ist mein Text den ich für das Comenius-Projekt geschrieben habe. In dem Projekt geht es um "europäische Familien zwischen Tradition und Zukunft". Meine Aufgabe war es, einen Artikel über die finnische Familie mit deutschen Augen zu schreiben. Und das ist das Ergebnis: 

 
 
 
Mein typischer Finnischer Tag beginnt sehr Deutsch: Gastvater Mika steht vor der Tür und fragt: „Willst du Kaffee haben?“ Der einzige deutsche Satz, der nach drei Jahren Deutschunterricht noch geblieben ist. Aber es ist auch der wichtigste Satz, Kaffee ist schließlich das Lebenselixir der Finnen.
Mika legt sehr viel Wert auf ein gemeinsames Frühstück, das heißt er weckt einfach alle um zehn Uhr früh auf. Für uns „Kinder“ hat er dann schon Riisipuuro (Reisbrei) gemacht, wie jedes Wochenende. Ausser natürlich für Gastbruder Aleksi (15), der meint er wäre schon aus dem Riisipuuro-Alter raus...
Bald nach dem Frühstück bin ich mit Mika und Gastmutter Anu nach L. zum Einkaufen gefahren. Nach Finnischen Masstäben ist L. unsere Nachbarstadt, meiner Meinung nach ist es ein kleines Dorf ziemlich weit weg. Ich fand L.(sorry, kann den Namen nicht ins Netz schreiben) ist schon recht schwer auszusprechen, aber es kam noch schlimmer, ich musste die ganze Zeit finnische Zungenbrecher üben, während Mika und Anu über meine kläglichen Versuche lachen mussten.
Als wir wieder Zuhause waren wollte Gastschwester Jonna (5), dass ich ihr Lesen und Schreiben beibringe. Nja, das lernt man nun wirklich nicht in fünf Minuten, was sie wiederum nicht verstehen wollte. Viel mehr Zeit hatten wir auch gar nicht, denn die Oma hat heute Geburtstag und wartet mit selbstgebackenen Pulla und Kaffee auf uns. Pulla ist ein Finnisches Hefegebäck das man sehr gerne zum Kaffee isst. Meine Gastoma spricht nur Finnisch, was ich leider nicht tue und deshalb ist es immer etwas schwierig mit ihr zu reden. Aber es waren ja genug Dolmetscher dabei.
Nachdem wir uns an Omas Pulla sattgegessen haben, sind Mika, ich und meine beiden Gastbrüder Aleksi (15) und Seppo (9) nach Helsinki ins Olympiastadion gefahren. Mika hat nämlich vier Freikarten für den Leichtathletik Wettkampf zwischen Finnland und Schweden bekommen. Nachdem wir nach einer endlosen Parkplatzsuche endlich im Stadion angelangt sind, ist mir zuerst die super Stimmung aufgefallen. Ausser einer kleinen handvoll alter Schweden waren nur Finnen im Stadion. Es wurden nur finnsiche Lieder gesungen, nur finnische Laolawellen gemacht und es waren überall finnische Flaggen. Seppo hatte auch eine Flagge und fand es mega witzig die immer vor unseren Gesichtern herumzuwedeln. Finnland hat natürlich den Wettkampf gewonnen (sonst wäre dieser Tag ein Nationaltrauertag geworden) und die Schweden haben mal wieder recht alt ausgesehen. Mika hat mir einmal erklärt, dass es bei allen Sportwettkämpfen am wichtigsten ist besser als Schweden zu sein, Gewinnen ist dann gar nicht mehr so wichtig.
Der Wettkampf war erst um acht Uhr zuende. Und ausserdem wurde es dann auch mega kalt, ich musste meine Winterjacke anziehen. Das macht mir auch Sorgen, dass ich im August schon mit meiner Winterjacke rumlaufen muss.
Ok, und wie endet ein Finnischer Tag? Natürlich mit Sauna. Es ist wirklich toll wenn man durchgefroren nach Hause kommt und gleich in die Sauna gehen kann. Bei uns gibt es zweimal in der Woche Sauna: Dienstags und Samstags. Anu hat festgestellt, dass ich nun schon drei Wochen hier bin. Ob ich mich denn auch schon eingelebt hätte? Nja, vielleicht.
Nach der Sauna gibt es den üblichen Schlafen-gehen Stress. Das ist auch in Finnischen Familien nicht anders. Und das geht natürlich auch nur mit soviel Lärm wie möglich.
In Deutschland bin ich Einzelkind und es war wirklich eine grosse Umstellung plötzlich drei kleine  Geschwister zu haben. Irgendwie hat man keine ruhige Minute mehr. Aber mir gefällt es trotzdem viel besser in so einer Grossfamilie, es wird einfach nie langweilig.
 
Jetzt, als ich diesen Text schreibe, bin ich nun schon drei Monate hier und habe mich auch längst eingelebt. Jonna kann inzwischen schon recht gut Lesen und mit meiner Oma habe ich mich auch schon mal unterhalten können. Gestern habe ich es zum ersten Mal geschafft den ganzen Tag nur Finnsich zu reden, was wirklich sehr unterhaltsam und lehrreich war.

 

 
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